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Auffrischung und Erzählzeit

Grammatik auffrischen und Geschichten erzählen

Willkommen zurück! Um auf B1-Niveau sicher kommunizieren zu können, festigen wir zunächst einige Grundlagen. Erinnern wir uns kurz an die Fälle. Der Nominativ fragt „Wer oder was?“, der Akkusativ „Wen oder was?“ und der Dativ „Wem?“. Jeder Fall gibt einem Substantiv eine bestimmte Rolle im Satz. Zum Beispiel: Der Lehrer (Nominativ) gibt dem Schüler (Dativ) den Stift (Akkusativ). Dieses System ist der Schlüssel zu klaren und korrekten deutschen Sätzen.

Fallichduer/sie/eswirihrsie/Sie
Nominativichduer/sie/eswirihrsie/Sie
Akkusativmichdichihn/sie/esunseuchsie/Sie
Dativmirdirihm/ihr/ihmunseuchihnen/Ihnen

Genau wie die Fälle sind auch die Zeitformen entscheidend. Sie kennen bereits das Präsens für die Gegenwart und das Perfekt für die gesprochene Vergangenheit. Jetzt konzentrieren wir uns auf eine andere Vergangenheitsform, die besonders in der Schriftsprache wichtig ist.

Das Präteritum: Die Erzählzeit

Das Präteritum, auch einfache Vergangenheit genannt, ist die Zeitform der Erzählungen, Berichte und Märchen. Während wir im Alltag meist das Perfekt benutzen („Ich habe gegessen“), greifen wir beim Schreiben oder bei formellen Erzählungen auf das Präteritum zurück („Ich aß“). Es wirkt oft distanzierter und literarischer. Diese Unterscheidung ist eine Besonderheit der deutschen Sprache und ein wichtiger Schritt in Richtung flüssigerer Ausdrucksweise. Die Hilfsverben sein und haben sowie die Modalverben bilden eine wichtige Ausnahme: Ihre Präteritum-Formen werden auch in der gesprochenen Sprache sehr häufig verwendet.

Man unterscheidet bei der Bildung des Präteritums zwischen schwachen (regelmäßigen) und starken (unregelmäßigen) Verben.

Schwache Verben bilden das Präteritum, indem sie ein -te- zwischen den Verbstamm und die Personalendung einfügen. Ihr Stammvokal ändert sich nicht.

Verbstamm+-te-+Personalendung\text{Verbstamm} + \text{-te-} + \text{Personalendung}

Bei starken Verben ist es etwas komplizierter. Sie ändern im Präteritum ihren Stammvokal und verwenden andere Endungen als die schwachen Verben. Diese Formen muss man auswendig lernen, da es keine einheitliche Regel für die Vokaländerung gibt. Ein bekanntes Beispiel ist das Verb singen.

PersonPräsensPräteritum (stark)
ichsingesang
dusingstsangst
er/sie/essingtsang
wirsingensangen
ihrsingtsangt
sie/Siesingensangen

Beachten Sie, dass die 1. und 3. Person Singular (ich, er/sie/es) bei starken Verben im Präteritum identisch sind und keine Endung haben.

Präteritum in der Praxis

Stellen Sie sich vor, Sie lesen eine Biografie. Der Text würde wahrscheinlich so klingen: „Marie Curie studierte an der Sorbonne in Paris. Sie entdeckte zwei neue Elemente und erhielt als erste Frau den Nobelpreis.“ Die Verwendung des Präteritums schafft eine erzählerische Distanz und einen formalen Ton.

Hätten Sie einer Freundin davon erzählt, hätten Sie wahrscheinlich das Perfekt benutzt: „Marie Curie hat an der Sorbonne studiert. Sie hat zwei neue Elemente entdeckt und hat als erste Frau den Nobelpreis erhalten.“ Beide Sätze sind korrekt, aber ihr Stil und Anwendungsbereich sind unterschiedlich.

Faustregel: Präteritum für schriftliche Erzählungen und formale Berichte. Perfekt für mündliche Alltagsgespräche.

Diese Regel hilft bei der Orientierung, ist aber nicht absolut. In Norddeutschland wird das Präteritum auch im Gespräch häufiger verwendet, während es in Süddeutschland fast ausschließlich durch das Perfekt ersetzt wird. Die sichere Anwendung beider Zeitformen zeigt jedoch ein fortgeschrittenes Sprachgefühl.

Jetzt sind Sie dran. Testen Sie Ihr Wissen über die Anwendung und Bildung des Präteritums.

Quiz Questions 1/4

Welche Zeitform wird hauptsächlich in schriftlichen Erzählungen, Berichten und Märchen verwendet?

Quiz Questions 2/4

Welche der folgenden Verbgruppen wird auch in der gesprochenen Sprache sehr häufig im Präteritum verwendet?

Die Unterscheidung zwischen Perfekt und Präteritum ist eine der Nuancen, die Deutschlernende oft herausfordert. Mit Übung wird die Wahl der richtigen Zeitform aber bald zur zweiten Natur.