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Geldpolitische Strategie

Die neue Strategie der EZB

Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einer Autobahn. Das Tempolimit ist nicht "unter, aber nahe 100 km/h", sondern einfach "100 km/h". Das ist ein klareres Ziel. Ähnlich hat die Europäische Zentralbank (EZB) im Jahr 2021 ihre geldpolitische Strategie präzisiert. Anstatt Preisstabilität als eine Inflationsrate von "unter, aber nahe 2 %" zu definieren, hat sie ein klares, symmetrisches Ziel von 2 % auf mittlere Sicht festgelegt.

Diese Änderung war mehr als nur eine kosmetische Anpassung. Sie war eine grundlegende Neuausrichtung, um auf die wirtschaftlichen Herausforderungen des letzten Jahrzehnts zu reagieren, insbesondere auf die anhaltend niedrige Inflation und die Begrenzung durch niedrige Zinsen. Die Strategie wird zudem regelmäßig überprüft, die nächste Evaluierung ist für 2025 geplant.

Das symmetrische 2-Prozent-Ziel

Was bedeutet "symmetrisch"? Es bedeutet, dass die EZB Abweichungen von ihrem 2-Prozent-Ziel in beide Richtungen gleich ernst nimmt. Eine Inflationsrate, die deutlich unter 2 % liegt, wird als genauso negativ angesehen wie eine Rate, die deutlich darüber liegt. Beide Situationen erfordern eine entschlossene Reaktion der Geldpolitik.

Das Ziel ist genau 2 %. Nicht darüber, nicht darunter. Abweichungen nach oben und unten werden gleichermaßen als unerwünscht betrachtet.

Die alte Formulierung "unter, aber nahe 2 %" war zweideutig. Sie schuf eine Tendenz, dass man sich eher Sorgen um zu hohe Inflation machte, während die Risiken einer zu niedrigen Inflation (Deflation) weniger im Fokus standen. Das neue Ziel beseitigt diese Mehrdeutigkeit. Es signalisiert, dass die EZB genauso entschlossen gegen eine zu niedrige Inflation vorgehen wird wie gegen eine zu hohe. Dieser Ansatz ist besonders wichtig, wenn die Zinsen bereits sehr niedrig sind – ein Szenario, das als effektive Zinsuntergrenze bekannt ist. In solchen Zeiten ist die Fähigkeit einer Zentralbank, die Wirtschaft durch Zinssenkungen anzukurbeln, begrenzt.

Um die Symmetrie des Ziels über die Zeit zu gewährleisten, ist die EZB bereit, eine Phase zu tolerieren, in der die Inflation vorübergehend leicht über 2 % liegt. Dies ist besonders relevant nach einem längeren Zeitraum, in dem die Inflation unter dem Zielwert lag. So wird sichergestellt, dass die der Geldpolitik gewahrt bleibt und die Inflation im Durchschnitt tatsächlich bei 2 % liegt.

Erwartungen verankern

Ein zentrales Ziel jeder Zentralbank ist es, die Inflationserwartungen der Menschen und Unternehmen fest zu verankern. Wenn alle davon ausgehen, dass die Inflation in Zukunft bei 2 % liegen wird, passen sie ihr Verhalten entsprechend an. Unternehmen berücksichtigen dies bei ihren Preisentscheidungen und Arbeitnehmer bei Lohnverhandlungen. Dies schafft eine sich selbst stabilisierende Dynamik.

Wenn eine wachsame Geldpolitik die Inflation nahe am Zielwert hält, werden Haushalte und Unternehmen Inflationsschocks als vorübergehend ansehen, was zu einer starken Verankerung der Inflationserwartungen führt.

Ein klares, symmetrisches Ziel von 2 % hilft dabei, diese Erwartungen genau auf diesem Wert zu verankern. Es nimmt die Unsicherheit aus der Gleichung und macht die Politik der EZB vorhersehbarer und glaubwürdiger.

Wie Inflation gemessen wird

Um die Inflation zu messen, verwendet die EZB den (HVPI). Dieser Index misst die Preisänderungen eines repräsentativen Warenkorbs von Gütern und Dienstleistungen, die von Haushalten im Euroraum konsumiert werden. Der Begriff "harmonisiert" bedeutet, dass die Methodik zur Erhebung der Daten in allen Ländern des Euroraums dieselbe ist, was die Zahlen vergleichbar macht.

Ein wichtiger Punkt der Strategieüberprüfung von 2021 war auch der Beschluss, die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum schrittweise in den HVPI einzubeziehen. Bisher wurden hauptsächlich Mieten erfasst, was aber die Lebenshaltungskosten von Immobilienbesitzern unvollständig abbildet. Die Einbeziehung dieser Kosten wird den HVPI zu einem noch umfassenderen Maß für die Inflation machen.

Als zusätzliches Instrument nutzt die EZB die "Forward Guidance". Dabei kommuniziert sie ihre Absichten bezüglich des zukünftigen Kurses der Geldpolitik, insbesondere der Leitzinsen. Dies gibt den Finanzmärkten und der Öffentlichkeit eine klare Orientierung und hilft, die langfristigen Zinsen zu beeinflussen, selbst wenn die kurzfristigen Zinsen bereits an ihrer Untergrenze sind.

Testen Sie jetzt Ihr Wissen über die geldpolitische Strategie der EZB.

Quiz Questions 1/5

Was ist das seit 2021 geltende, symmetrische Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) auf mittlere Sicht?

Quiz Questions 2/5

Was bedeutet der Begriff „symmetrisch“ im Zusammenhang mit dem Inflationsziel der EZB?

Die überarbeitete Strategie der EZB ist eine moderne Antwort auf eine veränderte Wirtschaftswelt. Mit einem klaren, symmetrischen 2-Prozent-Ziel und verbesserten Instrumenten ist sie besser gerüstet, um für Preisstabilität im Euroraum zu sorgen.